Knock, knock!

Meine Abwesenheit mit nur drei Wochen zu beziffern, war zwar objektiv gesehen völlig realistisch, aber alles in allem doch eher optimistisch. Keine drei Tage hat es nach dem Heimkommen nämlich gedauert, bis ein Virus mein Immunsystem zur Strecke gebracht hat. Eine Woche lang konnte ich nicht viel mehr als schlafen; die restliche Zeit seitdem war mit Arbeiten, Vorstellungsgesprächen und dem üblichen Alltag mehr als gefüllt.

Im üblichen Tenor von „Leben ist, was passiert, während man andere Pläne macht“ melde ich mich nun also endlich wieder zu Wort – und hoffe inständig, dass der nächste Eintrag genauso wenig ein „Hallo-ich-bin-wieder-da“-Eintrag wird wie der übernächste oder überübernächste.

Asien war anders, aber großartig, die Familie herzallerliebst, und das Essen phänomenal, wenn auch schlichtweg zu viel. Zum Glück habe ich das meiste bestimmt gleich wieder weggeschwitzt – auch wenn ich mit den konstanten 30 Grad besser als erwartet klar gekommen bin; ganz im Gegenteil, ich vermisse es fast! Die grenzwertigen 40 Grad, die ich in Südbaden die letzten beiden Sommer über überstehen musste, zeigen wohl doch endlich auch eine positive Wirkung, wenn auch sehr zeitversetzt.

Jetzt also im Weihnachtsgeschäft in der Haus- und Hofbuchhandlung aushelfen, den Bewerbungszirkus endlich abhaken können, und ab Februar wieder ein geregeltes Leben haben. Dabei ist das Jahr fast zu Ende, Weihnachten steht schon fast vor der Tür, und heute habe ich unseren Adventskranz gebunden. (Times may change, but standards must remain!)

Zwischenzeitig habe ich meine Unfinished Tales fertig gelesen, genauso wie das großartige Stoner. An den Rezensionen arbeite ich noch, aber das dauert bei beiden noch einen Moment. (Wie auch nicht? Liebe!) Inzwischen liegt ein Neuzugang aus Asien auf meinem Nachttisch, während in meine Arbeitstasche endlich Our Man in Havana seinen Weg gefunden hat. Beides verspricht viel auf den ersten Seiten.

Viel zu tun!

 

 

ZCH > SIN

Morgen das erste Mal Langstreckenflug ans andere Ende der Welt (und deshalb viel Zeit zum Lesen). Danach zwei Wochen lang Familie kennenlernen, Sightseeing und, achja, selbstredend: Konstante 30 Grad, großartiges Essen und viel Sonne und Meer. Interesse an Buchläden ist angemeldet und wird hoffentlich Folge geleistet. Ansonsten: Lesen, fotografieren, faulenzen, Urlaub eben.

Ich bin begeistert!

Achja: Der Laptop bleibt zuhause.

Bis in drei Wochen!

Lebenszeichen

Kinder, wie die Zeit vergeht! So schnell sind drei Wochen vorüber. Allerdings mit guten Gründen. Allein eine ganze Woche war ich mit Besuchen von früh bis spät ausgelastet (fünf Städte in sieben Tagen). Danach war ich eine Woche krank (Kopfgrippe, deshalb konnte ich nichtmal viel lesen). Und diese Woche war ich dann sehr beschäftigt damit, mich um alles andere zu kümmern, was so liegenblieb. Wie etwa der Wäsche von vier Wochen (der Motor war kaputt, aber meine bessere Hälfte hat ein unglaubliches Schraubertalent und hat sie wieder zum Laufen gebracht).

Derweil lese ich immer noch an meinen Unfinished Tales und an der Sherlock Holmes-Gesamtausgabe. Taktisch unklug, merke ich, fast ausschließlich dicke oder komplizierte Bücher zu lesen.

Jedenfalls: Ich lebe noch! Das wollte ich damit sagen.

Aber keine Bange. Da schwirren noch einige Ideen in meinem Kopf herum, die bald umgesetzt werden wollen. Wenn vielleicht auch nur kurz. Bald nämlich, immerhin, werde ich recht viel Zeit haben zu lesen. Zwölf Stunden Langstreckenflug müssen ja für irgendwas gut sein. Zweimal – dazwischen aber wiederum zwei Wochen Kultururlaub am anderen Ende der Welt. (Ich freu mich schon so!)

Funke

Newsletter sind ja eigentlich nicht so meins. Viele davon lösche ich gleich, einige habe ich sogar nur abonniert, damit ich nicht vergesse, dass ich irgendwo noch einen Account bei irgendwelchen Seiten oder Diensten habe. Für die meisten habe ich schlichtweg selten Zeit oder Geduld, selbst, wenn ich normalerweise dankbar bin, dass sie mir Informationen direkt vor die virtuelle Haustüre legen.

So auch mit Vorablesen.de. Ich scrolle jede Woche durch, merke, dass ich ohnehin zu wenig Zeit zum Lesen habe, finde nichts, was mich so brennend interessiert, dass ich dafür meine Unfinished Tales unterbrechen wollte, und verbanne auch diesen Newsletter in den Papierkorb.

Dieser Tage war das anders.

WarteCornelia Funke hat ein neues Buch?!

Sie hat. Und es klingt großartig. Und das, wo ich Drachenreiter nichtmal gelesen habe, zugegebenermaßen.

Da es Vorablesen.de gibt, ist das aber völlig irrelevant. Denn ich kann ja in das neue Buch hineinlesen. Und ich brauchte nichtmal die erste Seite lesen, um schon wieder Hals über Kopf in diesen unglaublich dichten Wald zu stürzen, diese Welt, die so viele Fabelwesen hat, dass einem mitunter der Kopf schwirrt. Das ist zwar wie gesagt eine Welt, die ich noch nicht kenne. Aber es ist eine Welt, die sich anfühlt wie die Tintenwelt. Und alles, was sich anfühlt wie die Tintenwelt ist gut. Ist gemütlich. Ist Zuhause. Ist großartig. Und verspricht ein Buch, das ich in einem bis drei Tagen völlig verschlingen kann – was für meine Verhältnisse wirklich, wirklich schnell ist, wenn man bedenkt, dass ich gerade an besagten Unfinished Tales selten mehr als 20 Seiten auf einmal lesen kann. (Es ist doch etwas anspruchsvoller als gewöhnliche Belletristik.)

Es soll in Norwegen spielen, in Indonesien; es geht um Drachen, und auch um Fabelwesen aus den nordischen Sagen, die ich von nicht-fiktiven Mythen kenne; und natürlich sind da noch Funkes wunderbare Kapitelthemen, die Zitate aus anderen Büchern, die so wunderbar machen, dass ihre Bücher nur Bibliotheken sind, in denen man Altbekanntes an unerwarteten Stellen wiederfindet, aber in der man auch ganz neue Schätze entdecken kann. Gibt es den Begriff book crush? Falls nicht, habe ich ihn damit etabliert und beanspruche das Copyright. (Falls es jemand anderes schon etabliert hat: Chapeau, unbekannterweise, und vielen Dank!)

Ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber gerade freue ich mich geradezu mehr über ein literarisches Lebenszeichen von Frau Funke als von unser hochverehrten Misses Rowling (denn das ist inzwischen nichts Neues mehr und beinhaltet mir zu oft Warner Brothers oder halbfertige Texte, verglichen mit dem Urtext).

Die Feder eines Greifs. Das möchte ich.

Das süße Leben

Nachdem die Woche kurz war, weil ich das letzte Wochenende über bis Mitte der Woche bei meinen Eltern war – unter anderem um ein neues Bücherregal zu besorgen, in das ich die alten Kinderbücher sortieren kann, die mein Dad schon wegwerfen wollte – ist der Sonntag, wie es sich gehört, dazu da, mal wieder Ruhe zu tanken. Draußen freut sich die Natur über den lange angekündigten Nieselregen, und selbst meine bessere Hälfte stimmt mir zu, dass man an solchen Tagen lieber drin bleibt.

Unsereins hat nunmal eine andere Auffassung vom süßen Leben; dazu gehört eben nicht nur Lesen. Dazu komme ich gerade ohnehin nicht ansatzweise so oft, wie ich gerne würde.

Vor allem nicht, wenn da irgendwo jemand sitzt, der schon sehr, sehr lange auf seinen Brief wartet. (Ja, das sind Briefe. Über lose Blätter sind wir lange hinaus.)

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Gemütlich. Das ist alles, was wir heute sein wollen. #Sonntagnachmittag #Nostalgie #Fuchsi #AnalogIstBesser!

Von Bäumen

Ein Buch ist wohl das schönste, was ein Baum werden kann – vorausgesetzt, er kann kein Baum bleiben, denn Bäume sind auf so viele Arten so unfassbar großartig. Schließlich prangt an unserem Kühlschrank von Anfang an dieses Schmuckstück: img_5805

Das ist wichtig, und das sollte man bei aller Gemütlichkeit und Leseromantik nicht vergessen. Wie ich jetzt darauf komme?

Wer hauptsächlich englische Bücher liest, und dabei noch wenig Zeit hat, gewöhnt es sich schnell ab, überhaupt erst in die Buchhandlung um die Ecke zu gehen. Zu klein ist das Sortiment dort an englischsprachigen Büchern. Seien wir doch mal ehrlich: Reclam und Penguin sind oft das höchste der Gefühle. Zumindest, wenn man nach Klassikern sucht und sich nicht mit den neuesten Cecilia Ahern-Schmökern zufrieden gibt. Wenn man dann sogar noch für die Uni bestimmte Ausgaben sucht, die es mitunter gar nicht in Deutschland gibt… Kurzum: Das (trügerische) kleine a wurde also schnell zu meinem besten Freund.

Bis heute.

In den letzten Monaten und Jahren habe ich mir viele Gedanken um Nachhaltigkeit gemacht. Ich versuche, regionale Produkte zu kaufen, repariere alte Dinge lieber zweimal, mache so viel Strecke wie möglich mit dem Rad, zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln, und versuche inzwischen sogar, wo es geht auf Plastik in Kosmetika und Verpackungen zu vermeiden. Unsere Umwelt liegt mir am Herzen; der Gedanke an kleine Vögelchen und Fische, die verenden, weil wir unsere elendige Bequemlichkeit gewohnt sind, macht mich krank, und ich möchte, dass der Bauer, der meinen Salat und meinen Kaffee herstellt, auch einen fairen Preis dafür bekommt. Vor allem wir Deutsche sind da so krass verwöhnt.

Warum sollte es also nicht beim Lesen, das mir ja offensichtlich auch am Herzen liegt, anders sein? Wir alle wissen, dass das trügerische kleine a nicht wirklich dafür sorgt, dass  alle einen fairen Preis bekommen. Ganz abgesehen vom Transport. Natürlich wird ein Produkt trotzdem verschickt, wenn ich es gerne hätte – aber bis an meine Haustüre muss es eigentlich doch gar nicht sein, oder?

Deshalb habe ich heute – seit langer Zeit, zugegebenermaßen, aber besser spät als nie, und mühsam ernährt sich das Eichhörnchen! – das kleine a links liegen gelassen und mein nächstes Buch einfach in den Buchladen bestellt. Übrigens bequem von zuhause aus, online, ganz ohne Unterschied zum kleinen a. Bezahlen werde ich es im Laden, wenn ich es abhole. In der milden Hoffnung, dass so auch meine Haus- und Hofbuchhandlung etwas davon hat. Denn was wäre das Lesen ohne Buchhandlungen, in denen man in Ruhe stöbern kann? Eben. Das muss man unterstützen.

Daran will ich öfter denken. Zwei Euro hin oder her; die sind es wert.

Herbst

Letzte Woche gab es keinen Blogpost – ich war im Schwabenländle auf Familienfest. Oder anders: Ich komme scheinbar langsam in das Alter, in dem man Familienfeste für seine (Schwieger)Eltern (in spe) selbst ausrichtet. Anstrengend, aber schön. Deshalb aber auch neben Kartoffelnschälen, Spülen, Gastgeberin sein (mir fehlte tatsächlich nur die altbackene Schürze) und noch dem ein oder anderen Schwangerschaftsbesuch bei Freunden (den Bauch hatten andere, keine Sorge) keine Zeit. Nichtmal zum Lesen bin ich gekommen.

Jetzt allerdings, wieder zurück in den eigenen vier Wänden, gibt es auch hier etwas zu feiern.

Für jemanden, der im Sommer lieber bei 20 Grad in Skandinavien unterwegs ist, ist es nicht immer optimal, tatsächlich in der wärmsten Gegend des Landes zu wohnen. Vor allem nicht im Dachgeschoss-Altbau. Schon allein deshalb ist der 1. September für mich ein kleiner Nationalfeiertag:

Meteorologischer Herbstanfang!

Ab jetzt darf ich offiziell wieder meine Schals und Stricksocken und Strumpfhosen und Kuschelpullis raussuchen. Und mein Strickkörbchen. Und meine Kerzen. Und erst meine Tees! Bald gibt es wieder Kürbisse und Lauchsuppe. Und neue Äpfel. Und bunte Blätter. Und sowieso weniger Schwitzen und Sonnenbrände und diese elendige Schuhfrage, die mich seit immer und immer noch im Sommer einfach nervt.

Und was macht man im Herbst ganz besonders? Richtig. Lesen. So richtig mit Decke und Stricksocken und Tee. Wie sich das gehört.

Da ist es mir auch gerade noch egal, dass es – natürlich (oder eben nicht, je nachdem) – hier immer noch 30 Grad hat.

Kein Foto heute – ich zähle mich nicht zu den Bloggern, die stundenlang versuchen, mit Lichterketten, eigens dafür manikürten Fingernägeln und extra schönen Socken das perfekte Lesefoto zu erstellen, das in keinster Weise realistisch ist. Ein anderes Mal vielleicht. Ich muss stattdessen den Spätsommer genießen.

Mein erster Buchclub

In jedem Freundeskreis gibt es sie: Die Person, die unbeschenkbar ist. Lesezeichen, Tee und schönes Allerlei hat man irgendwann zu Genüge ausgereizt. Ab da muss man sich stark überlegen, was es sein soll. Denn ich für meinen Teil hasse es, Nippes zu bekommen, also verschenke ich auch keinen.

Diese Person, nennen wir sie C., hat das große Glück, dass S. zu unserem Freundeskreis gehört. Denn dieses Jahr kam S. auf die Idee, man könnte doch zu dritt einen Buchclub organisieren. Long distance versteht sich, denn wir wohnen alle in unterschiedlichen Städten.

Jetzt hat sich also jeder ein Buch ausgesucht, das die anderen lesen müssen, dürfen oder sollen. Objektiv betrachtet ist das ein absolut langweiliges Unterfangen. Deshalb muss man wohl wissen, dass wir drei in absolut unterschiedlichen Genres zuhause sind. C. hat es gerne entweder rosarot oder blutrünstig. S. liest in ihrer Freizeit viel von dem, was eine Hermine Granger als „leichte Lektüre“ bezeichnen würde, sprich: dicke Wälzer aus Weltliteratur, Soziologie, Politik und Philosophie – um ihren Geist nach der Uni fit zu halten. Ich für meinen Teil lese hauptsächlich Bücher, für die ich, dem Erscheinungsdatum nach zu urteilen, auf den ersten Blick zu alt oder zu jung bin. Das letzte deutsche Zeitgenössische, was ich las, war Gut gegen Nordwind, und ich war nicht begeistert (Rezension folgt).

Ein Buchclub ist mit uns dreien also ein durchaus mutiges Abenteuer, das ordentlich Zündstoff bietet. Abgesehen davon sind wir völlig blauäugig, müssen schon jetzt zusehen, dass der erste Termin noch in diesem Jahr stattfindet, und sehen einfach mal, was passiert. (Hat jemand Tipps für uns? Oder möchte gar mitmachen…? Immer her damit!)

Auf der Liste stehen nun also:

  • John Williams, Stoner
  • Donna Leon, The Golden Egg
  • Graham Greene, Our Man in Havana

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Man darf gespannt sein. Ohja.

J. K. Rowling, John Tiffany, Jack Thorne: Harry Potter and the Cursed Child

IMG_5744Da ist es. Weil ich es vor Monaten schon bestellt und dann fast vergessen hatte, hatte ich eigentlich mit meinem Kochbuch gerechnet, als der Postbote kam. Als mir dann dieses Prachtstück entgegenstrahlte, hat mein Herz zwei Schläge ausgesetzt.

Harry Potter ist ja zurzeit ein bisschen mein potenzielles Reizthema. Die Bücher machen einen großen Teil meiner Kindheit aus, die Filme einen großen Teil meiner Jugend. Die Geschichten werden deshalb immer auf einem Podest stehen. Dass jetzt ständig neue Geschichten aus dem Boden sprießen, bereitet mir recht gemischte Gefühle. Als das Theaterstück und zugehöriges Skript angekündigt wurden, habe ich deshalb natürlich auch lange mit mir gehadert. Mir ist das alles zu viel Marketing, mich macht das skeptisch.

Selbstredend konnte ich aber freilich den Gedanken nicht ertragen, das Buch nicht zu lesen. Und um etwas legitim schlecht zu finden, muss man wissen, wovon man spricht, nicht wahr?

Hier ist es also. Ich war erstaunlich geduldig. Ich habe brav die letzten Seiten meines Silmarillion zu Ende gelesen, bevor ich den (als solchen angepriesenen) achten Potter anfing zu lesen. Bis auf die letzten zehn Seiten, die ich vor dem Abendessen nicht mehr geschafft habe, habe ich ihn auch an einem Nachmittag durchgelesen. Das ist mir lange nicht mehr passiert. Und es war großartig. Ich habe mir eine Kanne Tee gemacht und stilecht den Soundtrack von Harry Potter und der Stein der Weisen nebenher laufen lassen (schließlich sind wir wieder im ersten Hogwarts-Jahr!).

Mein Fazit muss dieses Mal widersprüchlich ausfallen.

Mein Kindheits-Ich mag die Geschichte. Das Setting. Allein der Umstand, dass es einen neuen Teil der Geschichte gibt. Wenn man mal ehrlich ist, war doch jeder ein bisschen enttäuscht vom Epilog des siebten Bands. Da kommt so eine Fortsetzung gerade recht. Sogar mein Freund, der mit Harry Potter normalerweise nichts anfangen kann, meinte zwischendurch: „Das muss doch traurig sein, das in einem Schwung zu lesen. Dann ist es ja vorbei.“ Und er hatte recht. Zwischendurch habe ich mich erwischt, wie ich langsamer las. Oder schlichtweg traurig wurde. Und ja, natürlich habe ich das ein oder andere Tränchen verdrückt. Das Resultat ist also leider trotzdem dasselbe: Es ist vorbei.

Mein heutiges Ich allerdings, verdorben (hihi!) durch acht Jahre Literaturstudium, ist wesentlich kritischer. Und das liegt nur bedingt an der Form. An die Dramenform an sich gewöhnt man sich tatsächlich relativ schnell. Ich persönlich bin generell kein großer Fan von Dramentexten, generell aber auch gewohnt, solche Sachen trotzdem zu lesen. Harry Potter and the Cursed Child nun merkt man an, dass es nicht aus einem Guss ist. Ich hatte ständig das Gefühl, die Passagen von Rowling und den anderen Schreibern zu erkennen. Diese gelegentliche Genrebrüche sind zwar nicht viele. Aber ich muss zugeben, dass sie mich zuweilen beim Lesen gestört haben.

Was die Geschichte angeht – und es fällt mir hier schwer, nicht zu spoilern: Ich hatte das Gefühl, dass sie sich es sehr leicht gemacht haben. Es gibt wenig Neues. Zeitumkehrer sind mir eine allzu simple Legitimation dafür, auf Altes zurückzugreifen. Rowling versucht, die Dumbledore-Momente, die danach als inspirierende Bildzitate das Internet überfluten, einzubauen – und scheitert auch hier daran, dass sie nicht allein schreibt, dass Dramentexte einfach nicht ihr Ding sind. Oder daran, dass sie versucht, es der vielleicht größten Fandom überhaupt recht zu machen? Ich mag den Gedanken nicht, aber er drängt sich auf.

Darüber hätte ich aber sogar gerne hinweggesehen – hätten mir nicht die Charaktere gefehlt. Harry habe ich kaum wiedererkannt. Klar mag er älter sein, aber ich weigere mich zu glauben, dass einem Harry Potter im Erwachsenenalter nur die Unordnung seiner Frisur, nun auf dem Schreibtisch, als Eigenschaft von früher bleibt. Ron erinnerte mich eher an den Esel aus Shrek: ein verfressener, ungeschickter Sidekick, den für den Plot aber eigentlich niemand braucht. Ok, ich verbessere: Esel wird mehr gebraucht als Ron. Ich habe viele Charaktere vermisst, obwohl sie da waren, wenn Ihr versteht, was ich meine. Sogar Albus in seinem elendigen Selbstmitleid ging mir zeitweise auf die Nerven. Allein Scorpius rettet für mich das Buch. Mir fehlt aber einfach der Rowlingsche Aha-Moment, an dem einfach alles zusammenpasst, jede noch so kleine Bemerkung, jeder Dialog, jeder Charakterzug.

Natürlich mag auch das alles der Form geschuldet sein. Schließlich obliegt es in diesem Fall den Schauspielern, ihre Rolle mit Leben zu füllen. Trotzdem hätte ich mir gewünscht, dass die Charaktere näher an ihren Originalen sind. Gerade, wo J. K. Rowling selbst mitschreibt. Gerade, wo es als achtes Buch der Serie verkauft wird – zweifellos enorm erfolgreich.

Deshalb ist es eine Fortsetzung. Aber zugegeben: Hätte sie mir jemand als Skript ausgedruckt gegeben, hätte ich es für eine gut geschriebene Fanfiction gehalten. Von Rowling herself hätte ich mir mehr erwartet. Liegt es vielleicht nur daran, dass die Buchreihe auf dem Podest meiner Jugend steht? Möglich. Liegt es vielleicht auch nur daran, dass ich keine 20 Minuten, bevor ich Harry Potter and the Cursed Child angefangen habe, das Silmarillion zuende gelesen habe, das an Niveau kaum zu überbieten ist?  Auch möglich.

Zum Glück allerdings bleibt die Buchreihe natürlich nichtsdestotrotz auf besagtem Podest meiner Jugend. Also bin ich, in meiner schizophrenen Eigenschaft, nicht allzu sehr enttäuscht. Es hat trotzdem Spaß gemacht, es zu lesen. For old times‘ sake, sozusagen.

Ob ich meinen Kindern mal den vermeintlichen achten Band vorlese, muss ich mir aber noch überlegen. Vielleicht kann ich, wenn der ganze Medienrummel längst verstummt ist, es ihnen als das erklären, was es ist: Mehr ein Teil des Franchises als der Geschichte. Wie ein Film, der sich nicht an die Buchvorlage hält.