Julia & Stefan Richter: Honeymoon XXL

Wieder ein Vorablesen-Gewinn. Dieses Buch wollte ich unbedingt haben, schließlich steht bei mir das Thema Flitterwochen auch bald an! Zwar ist es noch eine ganze Weile hin, und für eine Weltreise würde uns ohnehin das Budget fehlen. Aber das ist doch genau der richtige Zeitpunkt, um sich Inspirationen zu holen, oder nicht?

Genau das versprach das Buch jedenfalls. Zwar sind die beiden Autoren Julia und Stefan Richter gleich auf eine ganze Weltreise aufgebrochen, aber die Aufteilung in Etappen versprach kleine Teilrouten, die man sich ja eventuell auch aussuchen könnte. Dazu gab es Packlisten, und wer sich als beruflich im Tourismus ansässig vorstellt, der muss auch sonst gute Ratschläge geben können, oder nicht?

Hier mein erster Leseeindruck:

Was für eine großartige Idee: Ein Buch, das zwar konkret nur einer recht kleinen Gruppe Leser hilft (nämlich solchen, bei denen eine Hochzeit ins Haus steht), aber mit dem viele träumen können. Ich zähle mich zu ersterer Gruppe und bin deshalb schlichtweg begeistert vom Konzept.
Nicht nur, dass es Erfahrungsbericht ist – denn hier könnte man durchaus eine verhipsterte Blog-Tirade an Hochglanz-Instagram-Bildern erwarten. Nein, es ist auch das, was „unsereins“ genau braucht: Nicht nur das Ergebnis, sondern auch die Überlegungen dahinter. Was erwartet man sich (auch um dem Klischee vom Strandurlaub auf Mauritius zu entkommen) eigentlich? Ist das realistisch? Was muss man beachten? Was soll man packen? Noch dazu verspricht das Inhaltsverzeichnis unterschiedliche Routen und Gegenden für unterschiedliche „Abenteuergrade“. So ist für jeden Geschmack bestimmt etwas dabei.
Würde ich mir auf jeden Fall kaufen. Bin ich neugierig, was da alles drin steht!

Und mein Fazit?

Wer ausladende Reiseberichte erwartet, wird enttäuscht. Wer detailtrunkene Tipps und Tricks erwartet, allerdings auch. Die Wahrheit von Richters liegt irgendwo dazwischen. Das Buch ist zu kurz, um eine Weltreise in belletristischem Stil zu beschrieben. Die beiden beschreiben nicht eine Weltreise, sondern ihre Weltreise. Wen sie dabei besucht oder kennengelernt haben, findet hier genauso viel Platz wie wie man auf den ein oder anderen Vulkan kommt. Das macht es wirklich zu einer Reiseerzählung – und weniger zu einem Reisebericht oder gar Reiseratgeber.

Wer damit aber gut leben kann, der ist mit „Honeymoon XXL“ gut bedient. Schließlich ist es eigentlich logisch: Richters werden nicht auf eine Weltreise aufgebrochen sein, um einen Reise-Bestseller zu kreieren. Es ist nunmal ihre Weltreise. Man stelle sich das Buch vor wie ein befreundetes Ehepaar, das man selten sieht, und das bei einem Abendessen von ihrer Reise erzählt – nur, dass man dabei nicht in stundenlangen, konzentrationszehrenden Ausführungen gefangen ist, sondern das Procedere einfach unterbrechen kann, indem man das Buch zuschlägt und zu einem beliebigen Zeitpunkt wieder aufschlägt. In sofern also schonmal gut.

Manch einen, auch wie mich, der sich zumindest ein kleines bisschen eine Art Handbuch vorgestellt hat, anhand dessen man gleich etwas planen, ja fast schon buchen könnte, wird das eher ungeduldig machen. Man bekommt Packlisten für Berg- oder Kanutouren, die sich als nützlich erweisen könnten. Man bekommt auch die Reiseroute. Wer konkrete Geheimtipps zu Unterkünften, Restaurants oder Läden sucht, sollte im Regal besser zu einem gewöhnlichen Reiseführer greifen.

Zugegebenermaßen musste ich mich doch zuweilen wundern, wie oberflächlich manche Erzählungen blieben, was Land wie Protagonisten gleichermaßen anging. Letztere teilen zwar ihre Geschichte, aber man bleibt als Leser auf Distanz. Was in Ordnung ist, natürlich – ihre Reise, ihre Sache. Die Flughöhe der Erzählung lässt vermuten, dass das Buch das konsolidierte Ergebnis eines Reiseblogs ist, der in erster Linie dazu geführt wurde, Eindrücke für andere festzuhalten. Die privaten Gedanken, die persönlichen Erfahrungen bleiben Stefan und Julia Richter an anderen Stellen eigen. Und warum auch nicht? Belletristik-Leser wird das aber sauer aufstoßen; da fehlt einfach etwas, das einen mit den Erzählern verbindet.

Dazu kommen ein, zwei Passagen, die mir etwas… sagen wir, „naiv“ anmuteten. Ich bin selbst noch nicht viel gereist, zugegebenermaßen, und ich wage zu bezweifeln, dass ich offen für alle Gegebenheiten wäre. Mit dem Maß an Unverständnis und Überraschung darüber, dass etwa Hygienestandards in anderen Teilen der Welt mitunter katastrophal für westliche Verhältnisse sind, oder wie Geschäfte mitunter gemacht werden – damit hätte ich bei Vielreisenden nicht gerechnet. Ich bin mir sicher, es war nicht so gemeint, aber leider kam das mitunter recht überheblich rüber, worauf ich leider von westlichen Reisenden immer sehr empfindlich reagiere. Schließlich ist es nicht die Schuld der Kulturen, dass unsere Standards nicht bei ihnen umsetzbar sind. Wir sind nur einfach unglaublich gesegnet… aber das ist ein anderes Thema, das ich Richters auf gar keinen Fall anlasten möchte.

Diese Dinge allerdings vorweg genommen, ist es doch kein schlechtes Buch, nur weil es die gängigen Genres nicht erfüllt. Man muss „Honeymoon XXL“ schlichtweg für das nehmen, was es ist: der spezielle Reisebericht von ebendiesen Richters, nicht mehr und nicht weniger. Dafür wird man belohnt mit wunderbaren Bildern, wertiger Verarbeitung, und einem kurzweiligen, aber unterhaltsamen Lesevergnügen. Gerade für die Sommerferien kann ich mir vorstellen, dass Daheimgebliebene viel Freude an diesem Buch haben werden. Ich hatte es in gut zwei Wochen durch, und ich habe nur wenig Zeit zum Lesen gehabt.

Für meine eigenen Flitterwochen habe ich nun keine Anregungen bekommen, aber immerhin auch über Traumziele gelesen, die ich nun ausschließen kann, weil wir nach etwas anderem suchen. Aber es war nett. Und manchmal ist nett gerade gut. Chapeau jedenfalls für die beiden, dass sie das Abenteuer gewagt haben und dann noch die Arbeit angenommen haben, das in einem Buch zu bündeln und zu teilen!

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Knock, knock!

Meine Abwesenheit mit nur drei Wochen zu beziffern, war zwar objektiv gesehen völlig realistisch, aber alles in allem doch eher optimistisch. Keine drei Tage hat es nach dem Heimkommen nämlich gedauert, bis ein Virus mein Immunsystem zur Strecke gebracht hat. Eine Woche lang konnte ich nicht viel mehr als schlafen; die restliche Zeit seitdem war mit Arbeiten, Vorstellungsgesprächen und dem üblichen Alltag mehr als gefüllt.

Im üblichen Tenor von „Leben ist, was passiert, während man andere Pläne macht“ melde ich mich nun also endlich wieder zu Wort – und hoffe inständig, dass der nächste Eintrag genauso wenig ein „Hallo-ich-bin-wieder-da“-Eintrag wird wie der übernächste oder überübernächste.

Asien war anders, aber großartig, die Familie herzallerliebst, und das Essen phänomenal, wenn auch schlichtweg zu viel. Zum Glück habe ich das meiste bestimmt gleich wieder weggeschwitzt – auch wenn ich mit den konstanten 30 Grad besser als erwartet klar gekommen bin; ganz im Gegenteil, ich vermisse es fast! Die grenzwertigen 40 Grad, die ich in Südbaden die letzten beiden Sommer über überstehen musste, zeigen wohl doch endlich auch eine positive Wirkung, wenn auch sehr zeitversetzt.

Jetzt also im Weihnachtsgeschäft in der Haus- und Hofbuchhandlung aushelfen, den Bewerbungszirkus endlich abhaken können, und ab Februar wieder ein geregeltes Leben haben. Dabei ist das Jahr fast zu Ende, Weihnachten steht schon fast vor der Tür, und heute habe ich unseren Adventskranz gebunden. (Times may change, but standards must remain!)

Zwischenzeitig habe ich meine Unfinished Tales fertig gelesen, genauso wie das großartige Stoner. An den Rezensionen arbeite ich noch, aber das dauert bei beiden noch einen Moment. (Wie auch nicht? Liebe!) Inzwischen liegt ein Neuzugang aus Asien auf meinem Nachttisch, während in meine Arbeitstasche endlich Our Man in Havana seinen Weg gefunden hat. Beides verspricht viel auf den ersten Seiten.

Viel zu tun!

 

 

ZCH > SIN

Morgen das erste Mal Langstreckenflug ans andere Ende der Welt (und deshalb viel Zeit zum Lesen). Danach zwei Wochen lang Familie kennenlernen, Sightseeing und, achja, selbstredend: Konstante 30 Grad, großartiges Essen und viel Sonne und Meer. Interesse an Buchläden ist angemeldet und wird hoffentlich Folge geleistet. Ansonsten: Lesen, fotografieren, faulenzen, Urlaub eben.

Ich bin begeistert!

Achja: Der Laptop bleibt zuhause.

Bis in drei Wochen!

Lebenszeichen

Kinder, wie die Zeit vergeht! So schnell sind drei Wochen vorüber. Allerdings mit guten Gründen. Allein eine ganze Woche war ich mit Besuchen von früh bis spät ausgelastet (fünf Städte in sieben Tagen). Danach war ich eine Woche krank (Kopfgrippe, deshalb konnte ich nichtmal viel lesen). Und diese Woche war ich dann sehr beschäftigt damit, mich um alles andere zu kümmern, was so liegenblieb. Wie etwa der Wäsche von vier Wochen (der Motor war kaputt, aber meine bessere Hälfte hat ein unglaubliches Schraubertalent und hat sie wieder zum Laufen gebracht).

Derweil lese ich immer noch an meinen Unfinished Tales und an der Sherlock Holmes-Gesamtausgabe. Taktisch unklug, merke ich, fast ausschließlich dicke oder komplizierte Bücher zu lesen.

Jedenfalls: Ich lebe noch! Das wollte ich damit sagen.

Aber keine Bange. Da schwirren noch einige Ideen in meinem Kopf herum, die bald umgesetzt werden wollen. Wenn vielleicht auch nur kurz. Bald nämlich, immerhin, werde ich recht viel Zeit haben zu lesen. Zwölf Stunden Langstreckenflug müssen ja für irgendwas gut sein. Zweimal – dazwischen aber wiederum zwei Wochen Kultururlaub am anderen Ende der Welt. (Ich freu mich schon so!)

Funke

Newsletter sind ja eigentlich nicht so meins. Viele davon lösche ich gleich, einige habe ich sogar nur abonniert, damit ich nicht vergesse, dass ich irgendwo noch einen Account bei irgendwelchen Seiten oder Diensten habe. Für die meisten habe ich schlichtweg selten Zeit oder Geduld, selbst, wenn ich normalerweise dankbar bin, dass sie mir Informationen direkt vor die virtuelle Haustüre legen.

So auch mit Vorablesen.de. Ich scrolle jede Woche durch, merke, dass ich ohnehin zu wenig Zeit zum Lesen habe, finde nichts, was mich so brennend interessiert, dass ich dafür meine Unfinished Tales unterbrechen wollte, und verbanne auch diesen Newsletter in den Papierkorb.

Dieser Tage war das anders.

WarteCornelia Funke hat ein neues Buch?!

Sie hat. Und es klingt großartig. Und das, wo ich Drachenreiter nichtmal gelesen habe, zugegebenermaßen.

Da es Vorablesen.de gibt, ist das aber völlig irrelevant. Denn ich kann ja in das neue Buch hineinlesen. Und ich brauchte nichtmal die erste Seite lesen, um schon wieder Hals über Kopf in diesen unglaublich dichten Wald zu stürzen, diese Welt, die so viele Fabelwesen hat, dass einem mitunter der Kopf schwirrt. Das ist zwar wie gesagt eine Welt, die ich noch nicht kenne. Aber es ist eine Welt, die sich anfühlt wie die Tintenwelt. Und alles, was sich anfühlt wie die Tintenwelt ist gut. Ist gemütlich. Ist Zuhause. Ist großartig. Und verspricht ein Buch, das ich in einem bis drei Tagen völlig verschlingen kann – was für meine Verhältnisse wirklich, wirklich schnell ist, wenn man bedenkt, dass ich gerade an besagten Unfinished Tales selten mehr als 20 Seiten auf einmal lesen kann. (Es ist doch etwas anspruchsvoller als gewöhnliche Belletristik.)

Es soll in Norwegen spielen, in Indonesien; es geht um Drachen, und auch um Fabelwesen aus den nordischen Sagen, die ich von nicht-fiktiven Mythen kenne; und natürlich sind da noch Funkes wunderbare Kapitelthemen, die Zitate aus anderen Büchern, die so wunderbar machen, dass ihre Bücher nur Bibliotheken sind, in denen man Altbekanntes an unerwarteten Stellen wiederfindet, aber in der man auch ganz neue Schätze entdecken kann. Gibt es den Begriff book crush? Falls nicht, habe ich ihn damit etabliert und beanspruche das Copyright. (Falls es jemand anderes schon etabliert hat: Chapeau, unbekannterweise, und vielen Dank!)

Ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber gerade freue ich mich geradezu mehr über ein literarisches Lebenszeichen von Frau Funke als von unser hochverehrten Misses Rowling (denn das ist inzwischen nichts Neues mehr und beinhaltet mir zu oft Warner Brothers oder halbfertige Texte, verglichen mit dem Urtext).

Die Feder eines Greifs. Das möchte ich.

Das süße Leben

Nachdem die Woche kurz war, weil ich das letzte Wochenende über bis Mitte der Woche bei meinen Eltern war – unter anderem um ein neues Bücherregal zu besorgen, in das ich die alten Kinderbücher sortieren kann, die mein Dad schon wegwerfen wollte – ist der Sonntag, wie es sich gehört, dazu da, mal wieder Ruhe zu tanken. Draußen freut sich die Natur über den lange angekündigten Nieselregen, und selbst meine bessere Hälfte stimmt mir zu, dass man an solchen Tagen lieber drin bleibt.

Unsereins hat nunmal eine andere Auffassung vom süßen Leben; dazu gehört eben nicht nur Lesen. Dazu komme ich gerade ohnehin nicht ansatzweise so oft, wie ich gerne würde.

Vor allem nicht, wenn da irgendwo jemand sitzt, der schon sehr, sehr lange auf seinen Brief wartet. (Ja, das sind Briefe. Über lose Blätter sind wir lange hinaus.)

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Gemütlich. Das ist alles, was wir heute sein wollen. #Sonntagnachmittag #Nostalgie #Fuchsi #AnalogIstBesser!

Von Bäumen

Ein Buch ist wohl das schönste, was ein Baum werden kann – vorausgesetzt, er kann kein Baum bleiben, denn Bäume sind auf so viele Arten so unfassbar großartig. Schließlich prangt an unserem Kühlschrank von Anfang an dieses Schmuckstück: img_5805

Das ist wichtig, und das sollte man bei aller Gemütlichkeit und Leseromantik nicht vergessen. Wie ich jetzt darauf komme?

Wer hauptsächlich englische Bücher liest, und dabei noch wenig Zeit hat, gewöhnt es sich schnell ab, überhaupt erst in die Buchhandlung um die Ecke zu gehen. Zu klein ist das Sortiment dort an englischsprachigen Büchern. Seien wir doch mal ehrlich: Reclam und Penguin sind oft das höchste der Gefühle. Zumindest, wenn man nach Klassikern sucht und sich nicht mit den neuesten Cecilia Ahern-Schmökern zufrieden gibt. Wenn man dann sogar noch für die Uni bestimmte Ausgaben sucht, die es mitunter gar nicht in Deutschland gibt… Kurzum: Das (trügerische) kleine a wurde also schnell zu meinem besten Freund.

Bis heute.

In den letzten Monaten und Jahren habe ich mir viele Gedanken um Nachhaltigkeit gemacht. Ich versuche, regionale Produkte zu kaufen, repariere alte Dinge lieber zweimal, mache so viel Strecke wie möglich mit dem Rad, zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln, und versuche inzwischen sogar, wo es geht auf Plastik in Kosmetika und Verpackungen zu vermeiden. Unsere Umwelt liegt mir am Herzen; der Gedanke an kleine Vögelchen und Fische, die verenden, weil wir unsere elendige Bequemlichkeit gewohnt sind, macht mich krank, und ich möchte, dass der Bauer, der meinen Salat und meinen Kaffee herstellt, auch einen fairen Preis dafür bekommt. Vor allem wir Deutsche sind da so krass verwöhnt.

Warum sollte es also nicht beim Lesen, das mir ja offensichtlich auch am Herzen liegt, anders sein? Wir alle wissen, dass das trügerische kleine a nicht wirklich dafür sorgt, dass  alle einen fairen Preis bekommen. Ganz abgesehen vom Transport. Natürlich wird ein Produkt trotzdem verschickt, wenn ich es gerne hätte – aber bis an meine Haustüre muss es eigentlich doch gar nicht sein, oder?

Deshalb habe ich heute – seit langer Zeit, zugegebenermaßen, aber besser spät als nie, und mühsam ernährt sich das Eichhörnchen! – das kleine a links liegen gelassen und mein nächstes Buch einfach in den Buchladen bestellt. Übrigens bequem von zuhause aus, online, ganz ohne Unterschied zum kleinen a. Bezahlen werde ich es im Laden, wenn ich es abhole. In der milden Hoffnung, dass so auch meine Haus- und Hofbuchhandlung etwas davon hat. Denn was wäre das Lesen ohne Buchhandlungen, in denen man in Ruhe stöbern kann? Eben. Das muss man unterstützen.

Daran will ich öfter denken. Zwei Euro hin oder her; die sind es wert.

Herbst

Letzte Woche gab es keinen Blogpost – ich war im Schwabenländle auf Familienfest. Oder anders: Ich komme scheinbar langsam in das Alter, in dem man Familienfeste für seine (Schwieger)Eltern (in spe) selbst ausrichtet. Anstrengend, aber schön. Deshalb aber auch neben Kartoffelnschälen, Spülen, Gastgeberin sein (mir fehlte tatsächlich nur die altbackene Schürze) und noch dem ein oder anderen Schwangerschaftsbesuch bei Freunden (den Bauch hatten andere, keine Sorge) keine Zeit. Nichtmal zum Lesen bin ich gekommen.

Jetzt allerdings, wieder zurück in den eigenen vier Wänden, gibt es auch hier etwas zu feiern.

Für jemanden, der im Sommer lieber bei 20 Grad in Skandinavien unterwegs ist, ist es nicht immer optimal, tatsächlich in der wärmsten Gegend des Landes zu wohnen. Vor allem nicht im Dachgeschoss-Altbau. Schon allein deshalb ist der 1. September für mich ein kleiner Nationalfeiertag:

Meteorologischer Herbstanfang!

Ab jetzt darf ich offiziell wieder meine Schals und Stricksocken und Strumpfhosen und Kuschelpullis raussuchen. Und mein Strickkörbchen. Und meine Kerzen. Und erst meine Tees! Bald gibt es wieder Kürbisse und Lauchsuppe. Und neue Äpfel. Und bunte Blätter. Und sowieso weniger Schwitzen und Sonnenbrände und diese elendige Schuhfrage, die mich seit immer und immer noch im Sommer einfach nervt.

Und was macht man im Herbst ganz besonders? Richtig. Lesen. So richtig mit Decke und Stricksocken und Tee. Wie sich das gehört.

Da ist es mir auch gerade noch egal, dass es – natürlich (oder eben nicht, je nachdem) – hier immer noch 30 Grad hat.

Kein Foto heute – ich zähle mich nicht zu den Bloggern, die stundenlang versuchen, mit Lichterketten, eigens dafür manikürten Fingernägeln und extra schönen Socken das perfekte Lesefoto zu erstellen, das in keinster Weise realistisch ist. Ein anderes Mal vielleicht. Ich muss stattdessen den Spätsommer genießen.

Mein erster Buchclub

In jedem Freundeskreis gibt es sie: Die Person, die unbeschenkbar ist. Lesezeichen, Tee und schönes Allerlei hat man irgendwann zu Genüge ausgereizt. Ab da muss man sich stark überlegen, was es sein soll. Denn ich für meinen Teil hasse es, Nippes zu bekommen, also verschenke ich auch keinen.

Diese Person, nennen wir sie C., hat das große Glück, dass S. zu unserem Freundeskreis gehört. Denn dieses Jahr kam S. auf die Idee, man könnte doch zu dritt einen Buchclub organisieren. Long distance versteht sich, denn wir wohnen alle in unterschiedlichen Städten.

Jetzt hat sich also jeder ein Buch ausgesucht, das die anderen lesen müssen, dürfen oder sollen. Objektiv betrachtet ist das ein absolut langweiliges Unterfangen. Deshalb muss man wohl wissen, dass wir drei in absolut unterschiedlichen Genres zuhause sind. C. hat es gerne entweder rosarot oder blutrünstig. S. liest in ihrer Freizeit viel von dem, was eine Hermine Granger als „leichte Lektüre“ bezeichnen würde, sprich: dicke Wälzer aus Weltliteratur, Soziologie, Politik und Philosophie – um ihren Geist nach der Uni fit zu halten. Ich für meinen Teil lese hauptsächlich Bücher, für die ich, dem Erscheinungsdatum nach zu urteilen, auf den ersten Blick zu alt oder zu jung bin. Das letzte deutsche Zeitgenössische, was ich las, war Gut gegen Nordwind, und ich war nicht begeistert (Rezension folgt).

Ein Buchclub ist mit uns dreien also ein durchaus mutiges Abenteuer, das ordentlich Zündstoff bietet. Abgesehen davon sind wir völlig blauäugig, müssen schon jetzt zusehen, dass der erste Termin noch in diesem Jahr stattfindet, und sehen einfach mal, was passiert. (Hat jemand Tipps für uns? Oder möchte gar mitmachen…? Immer her damit!)

Auf der Liste stehen nun also:

  • John Williams, Stoner
  • Donna Leon, The Golden Egg
  • Graham Greene, Our Man in Havana

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Man darf gespannt sein. Ohja.